
Grüne Hundskopfboa / Grüner Hundskopfschlinger
Guyana Schild
Als Einleitung empfiehlt sich vielleicht der Satz meines Bekannten "Doc" Markus:
"Vergiss alles, was Du über Boas weisst!"
Der Grüne Hundskopfschlinger (auch Grüne Hundskopfboa genannt, lat. Corallus Caninus) gehört zur "Familie" der Boas. Verbreitet in vielen der Gebiete, in denen auch Boa constrictor vorkommt (nördliches und mittleres Südamerika, z.B. Surinam, Guyana oder Brasilien), weist sie erhebliche Ähnlichkeiten (sowohl im Aussehen als auch in ihrer Lebensweise) mit dem Grünen Baumpython (Morelia viridis) auf, obwohl dessen Verbreitungsgebiet ein ganz anderes ist (siehe Tip ganz unten!).
Der Corallus Caninus ist somit auch ein Vertreter der spasseshalber so genannten "grünen Langweiler": stark dämmerungs- und nachtaktiv, hängt er tagsüber mehr oder weniger bewegungslos zusammengerollt auf einem Ast rum. Hierbei bietet er jedoch, weil er wie der Baumpython kein Versteck benötigt, ein wunderschönes Bild.
Auch beim Corallus caninus gibt es, je nach Verbreitungsbereich, verschiedene Zeichnungsvarianten. Ich pflege Tiere mit der sogenannten "Guyana-Schildform", weisse mehr oder minder ausgeprägte Streifen, die quer über den Rücken des Tieres gelegt sind.
Die brasilianische Zeichnungsvariante weist einen meist durchgängigen weissen Strich auf dem Rücken auf, von dem weisse Spitzen zu den Flanken hinunterreichen. Diese Tiere aus dem brasilianischen Verbreitungsgebiet werden z.T. deutlich grösser (2m und länger) als Tiere aus dem Bereich Guyana (durchschnittlich unter 2 m).
Der Corallus caninus ist baumbewohnend und frisst Vögel (die er zum Teil aus dem Flug fängt) oder Nager, die sich in dieser entsprechenden Höhe aufhalten. Er weist sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer je zwei beträchtliche Fangzähne auf. Bei meinen 2jährigen, ca 1m langen (also noch nicht ausgewachsenen) Tieren beträgt die Länge eines Zahnes bereits ca. 9 mm! Und auch hier muss ich leider aus eigener Erfahrung sagen: ein Biss dieses Tieres in den Unterarm ist überaus schmerzhaft. Der Biss eines erwachsenen Tieres kann einem erwachsenen Menschen die gesamte Handfläche durchbohren.
Was es nun mit dem einleitenden Satz auf sich hat, wird vermutlich zunächst nur ein eingefleischter "Terrarianer" verstehen. Der Grüne Hundkopfschlinger gilt als absolut heikel in der Gefangenschaftshaltung und als sehr anfällig für das Regurgitationssyndrom (Auswürgen der Nahrung). Seine Gesundheit, seine Verdauung und sein Wachstum sind sehr stark, noch ausgeprägter als bei Morelia viridis oder Boa constrictor constrictor, abhängig von nahezu hundertprozentig korrekten Umgebungsvariablen wie Tag- und Nachttemperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Tiere gelten weiterhin als stressanfällig und beissfreudig.
Der Verdauungsapparat der Grünen Hundskopfschlinger funktioniert sehr langsam, teilweise können 2, sogar 3 Wochen vergehen, bis ein Tier nach der Nahrungsaufnahme Kot absetzt. Dadurch kann beim Tierhalter häufig die (zum Teil auch berechtigte) Angst entstehen, sein Tier leide an Kotstau. Es bleibt zu hoffen, dass sich im Laufe der Zeit die Anfälligkeit der Tiere dadurch reduziert, dass nur noch Deutsche Nachzuchten gekauft werden, die an das Leben in Gefangenschaft von Geburt an eingewöhnt sind.
Nach dem Erwerb meiner Tiere (aus deutscher Nachzucht) und ihrem daraus resultierenden Umzug zu mir verweigerten sie erstmal fast 5 Wochen lang die Nahrungsaufnahme. Seitdem haben sich meine Tiere jedoch als dankbare Fresser erwiesen und entwickeln sich wirklich prächtig. Ich halte ein Pärchen von 1.1 Corallus caninus.
Verbreitungsgebiet
Der Grüne Hundskopfschlinger (lat. Corallus Caninus) ist in den tropischen Regenwäldern Südamerikas beheimatet, die ebenfalls Heimat für Boa constrictor constrictor ist (Brasilien, Guyana, Surinam). Er benötigt daher, genau wie der auch optisch sehr ähnliche Grüne Baumpython, eine permanent hohe Luftfeuchtigkeit von mindestens 70% bei eines Tagestemperatur von ca. 28°C (Nachts ca. 23-24°C).
Corallus Caninus, insbesondere Wildfänge, gelten im Allgemeinen als sehr heikel und anfällig für Krankheiten, auch das Regurgitationssyndrom tritt häufig auf. Er ist daher einem unerfahrenen Schlangenhalter absolut nicht zu empfehlen.
Tip: Einem unerfahrenen Terrarianer fällt es häufig schwer, Morelia viridis und Corallus Caninus auseinanderzuhalten. Ein kurzer Blick auf das Maul des Tieres genügt. Beim Morelia viridis befinden sich die Wärmerezeptoren (sog. Labialgruben) lediglich im vorderen Bereich der Oberlippe und im hinteren Bereich der Unterlippe. Beim Corallus caninus sind Labialgruben gänzlich an Ober- und Unterlippe angeordnet.