
[Einleitung] [Die Fütterung an sich] [Tips und Ratschläge]
Die Anzahl der Begründungen (von zumeist weiblichen Personen), warum die Beschaffung und Haltung einer Schlange abgelehnt wird, lässt sich in den meisten Fällen auf zwei reduzieren:
1. Eine Schlange ist glitschig
2. Eine Schlange frisst andere Tiere
Während das erste Argument noch relativ schnell durch einen kurzen Besuch in einer Zoohandlung aus der Welt geschafft werden kann, gestaltet sich die Argumentation gegen den zweiten Punkt doch um ein vielfaches schwieriger, denn: auch eine Schlange muss fressen. Und zwar naturbedingt süsse Mäuse, Wüstenrenner, niedliche Hamster oder “ekelhafte” Ratten, hoppelnde Häschen oder gar drollige Meerschweinchen. Man wird es auch nicht schaffen, die Boa zu einem Vegetarier "umzuerziehen".
Die Vorstellung, dass eines dieser genannten Geschöpfe nur gelebt hat, um eines Tages als Futter für eine Schlange zu enden, kann jemandem den Spass an der Idee, eine Schlange zu halten, nehmen. Und das ist auch nachvollziehbar und verständlich. Ich selbst habe es anfangs auch nicht über´s Herz gebracht, das erste Pärchen Wüstenrennmäuse zu verfüttern. Ende vom Lied: das Pärchen lebte noch sehr lange und erfreute sich bei bestem Futter ebensolcher Gesundheit. Dem Nachwuchs erging es übrigens ähnlich, da die Wüstenrenner prompt als Futter verweigert wurden.
Doch nun zu den wichtigsten Fragen zur Fütterung! Vorab sei noch gesagt: nicht jeder Schlangenhalter praktiziert die Fütterungsmethode so, wie ich es tue. Aber: “anders” ist niemals gleich “falsch”!
Zu allererst die für einige angehende Schlangenhalter wichtigste und auch verständlichste Frage:
Muss ich die arme Maus wirklich lebend zu der Schlange setzen?
Nein, aber man kann. Alternativ führt ein gutsortierte Zoofachhandel sogenanntes “Frostfutter”, also eingefrorene Futtertiere (Mäuse, Babymäuse, Ratten etc.). Sollte der Laden nicht so gut sortiert sein, besteht natürlich auch die Möglichkeit, Frostfutter in entsprechenden Mengen im Internet zu z. T. sehr günstigen Preisen zu bestellen. Meine in Sachen Qualität, Verpackung und Versandzeit sehr zuverlässige Quelle ist www.frostfutter.de
Aber Achtung: die Futtertiere (bitte nicht lachen!) müssen selbstverständlich vor der Fütterung bis zur Handwärme aufgetaut werden... ja, ich habe schon gehört, dass es Schlangenhalter gibt, die das nicht wussten... nein, ich wollte es auch nicht glauben...
Anzumerken wäre noch, dass beim Einfrieren Vitamine verloren gehen können, daher kann es mitunter sinnvoll sein, dem toten Futtertier eine ausgewogen dosierte Menge Vitamine zu injizieren. Dies sollte aber nur bei Vitamin-Magelerscheinung und nur nach Rücksprache mit einem fachkundigen Tierarzt erfolgen. Die Vitaminpräparate gibt es ebenfalls im Zoofachhandel. Aber natürlich kann auch hier ein Problem entstehen: die Injektionswunde schliesst sich bei toten Futtertieren nicht, d.h. das Präparat tritt aus der Wunde wieder aus. Es kann nun passieren, dass die Schlange das Futtertier nicht annimmt, weil es anders riecht. Man sieht: auf vieles ist zu achten! :)
Die Fütterung an sich läuft bei Frostfutter relativ unproblematisch ab: Futtertier auftauen, ggf. Vitaminpräparat in das Futtertier injizieren und dann der Schlange geben. Bei mancher Schlange genügt das Hineinlegen des Futtertieres in die Futterbox, bei anderen muss der Schlangenhalter dem Futter "neues Leben einhauchen".
Das sieht dann in der Regel so aus, dass das Futtertier mit einer (möglichst langen) Pinzette gepackt wird und durch die Futterbox geschoben/ gezogen wird und dabei ruhig ein paar mal die Schlange berührt. In der Regel wird durch den Geruch und die Bewegung des Futtertieres ein Beutereiz gesandt, den die Schlange natürlich schamlos ausnutzt und zuschlägt. Man kann dann noch ein wenig mit der Pinzette am Beutetier zupfen und ziehen, um den "Todeskampf" des Beutetieres zu simulieren.
Eine andere Möglichkeit ist sicherlich das Verfüttern von lebenden oder frischtoten Futtertieren, wobei ich lebende Tiere nur sehr ungern verfüttere. Es ist halt nicht schön, auch wenn es so eigentlich in der Natur läuft. Die Gründe liegen auf der Hand: zum einen ist es für das Futtertier ein überaus qualvoller Tod, zum anderen besteht die Gefahr, dass die Schlange im Kampf vom Futtertier (meist ja ein Nagetier) gebissen und nicht unerheblich verletzt wird. Mögliche Folgen einer solchen Verletzung können u.a. eine Infektion bis hin zum Tod der Schlange sein.
Auf eine Fütterung während oder kurz nach der Häutungsphase sollte verzichtet werden. Lieber 2-3 Tage warten.
Das Futtertier sollte maximal das 1,5fache des Umfangs der Schlange an der dicksten Stelle (ca. Körpermitte) betragen. Lieber etwas häufiger kleinere Futtertiere anbieten.
Die Schlange sollte nicht im Terrarium gefüttert werden, sondern in einer geräumigen Box ausserhalb des Terrariums. Dies hat den Hintergrund, dass bei ständiger Fütterung im Terrarium die Schlange früher oder später nach allem schnappt, was ins Terrarium hineingelangt... also auch mal nach der Hand (zum Reinigen des Terris oder zum Herausnehmen der Schlange...). Das Ganze würde dann bei Euch in etwa so aussehen:
Unbedingt sollte auch gleichzeitige Fütterung von 2 Schlangen im selben Behältnis verzichtet werden. Es kann sonst passieren, dass eine Schlange vorher mit dem Fressen fertig ist und dann nach dem anderen Futtertier schnappt, welches sich im schlimmsten Fall schon halb im Maul der anderen Schlange befindet. Da hilft nur, schnell nach der Schere zu greifen und das Futtertier durchzuschneiden. Ist auch nicht schön.