
Auch zu diesem Thema werde ich keine Diplomarbeit veröffentlichen. Ich werde mich darauf beschränken, wie man sich bei bestimmten Anzeichen verhalten sollte, und wie ich bei Krankheiten meiner Tiere vorgegangen bin. Man ist aber manchmal mangels eigener Erfahrung im “Krankheitsfall” auf Tipps anderer erfahrener Schlangenhalter angewiesen. Diesbezüglich gilt nochmal mein besonderer Dank an "der" Markus, der sich auch zu nachtschlafener Zeit nie für ein Telefonat zu schade war!
Zu den häufigsten Erkrankungen bei Riesenschlangen zählt zweifelsohne der Parasiten- und der Bakterienbefall. Exotische, aber keinesfalls auszuschliessende Krankheiten wie IBD (Inclusion Body Desease, ähnlich HIV beim Menschen), werde ich nur grob anschneiden. Der wohl allen Schlangenhaltern bekannte, lästige Milbenbefall hat einen eigenen Menüpunkt links in der Navigationsleiste.
[Grundsätzliches] [Symptome von Krankheiten] [Regurgitationssyndrom] [Stress]
[Ektoparasiten] [Endoparasiten] [Kotstau] [IBD]
1. Tierarzt
Auch bei bekannten oder anscheinend leichten Gesundheitsstörungen eines Tieres sollte trotz aller Tips und allem Fachwissen der Gang zum fachkundigen Tierarzt nicht gespart werden! Man ist immer auf der sicheren Seite, schliesslich soll es dem Tier ja möglichst schnell wieder gut gehen!!
2. Hygiene
Wie beim Menschen auch zählt Hygiene zu den wichtigsten Punkten zur Vermeidung von Parasiten und Bakterien. Im Klartext heisst das: grundsätzlich jeden Tag das Wasser wechseln, denn abgestandenes warmes Wasser im Terrarium stellt einen wahren Brutplatz für Bakterien dar (z.B. Pseudomonas aeruginosa).
Natürlich bedeutet Hygiene auch, dass Kot und Harnstein schnellstmöglich beseitigt werden sollte. Zudem sollte man in regelmässigen Abständen das Terrarium komplett reinigen.
3. Beobachten
"Der frühe Vogel fängt den Wurm". Jeder Schlangenhalter kennt sein Tier am besten, sowohl den "Charakter" als auch das daraus resultierende Verhalten. Jede Veränderung sollte sofort zu Kenntnis genommen und notiert, niemals als unbedeutend abgetan werden.
Sollten sich Ansätze von beginnenden Krankheiten oder Verhaltensänderungen zeigen, alles genau beobachten und die Rahmenbedingungen (Temperatur, Futter, Luftfeuchtigkeit) checken. Darum gilt insbesondere für einen Anfänger: Lerne Dein Tier kennen, habe Spaß an (auch durchaus stundenlangen) Beobachtungen.
Nur, wer frühzeitig erkennt und reagiert, erspart dem Tier viel Stress und sich selbst eventuell deftige Tierarztkosten.
Allgemeine Symptome von Krankheiten
Das Tier hat ein verschleimtes Maul, aus der Nase läuft Flüssigkeit. Beim Atmen bilden sich kleine Bläschen am Maul (beim genauen Hinhören hört man diese auch platzen). Die Schlange richtet das vordere Drittel fast senkrecht auf und verharrt so lange Zeit. In diesem Fall (alle Symptome treten zusammen auf) ist schnellstens der Gang zum fachkundigen Tierarzt angesagt, es liegt vermutlich eine Atemwegsinfektion vor, die schon bis in die Lunge hinuntergewandert ist. Die Schlange richtet sich auf, weil ihr so das Atmen leichter fällt.
Liegt das Tier ungewohnt lange regungslos an einem Platz, zeigt wenig Reaktion auf Veränderungen im Umfeld (zum Beispiel das Annähern einer Hand, oder das Herausnehmen), kann bereits eine erhebliche Schwächung durch Infektionen oder Bakterienbefall eingetreten sein.
Wird sie aggressiv, wenn man sich ihr nähert (insbesondere dem hinteren Drittel), ist appetitlos und stellt ggf. die Nahrungsaufnahme ein, kann man unter Umständen zum baldigen Schlangennachwuchs gratulieren.
Für viele Krankheiten kann auch das Regurgitieren, also das Auswürgen von Futtertieren, ein Symptom sein. Häufig ist es aber auch "nur" die Folge eines zu grossen verabreichten Futtertiers. Das halb verdaute Futtertier (kein schöner Anblick, auch kein schöner Geruch), wird etwa 2-5 Tage nach der Fütterung wieder "ausgekotzt". Sollte es sich "nur" um ein zu gross geratenes Futtertier handeln, darf das Auswürgen keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. In jedem Falle muss auf eine Fütterung für die nächsten 14 Tage unterbleiben, da der Magen sich erst "erholen" muss!!!
Die Schlange erleidet beim Regurtitieren zum einen einen nicht unerheblichen Flüssigkeitsverlust (insbesondere Magenflüssigkeit), der unbedingt wieder ausgeglichen werden muss, einfachenfalls durch Baden und hohe Luftfeuchtigkeit, schlimmstenfalls durch das Injizieren von Ringerlösung. Zum anderen besteht die Möglichkeit, dass natürliche, im Verdauungsorgan vorkommende Bakterien ins Maul gelangen und dort eine Infektion verursachen, die wiederum weiter in Richtung Lunge marschiert.
Dann darf man sich geistig schon mal auf eine herzhafte Rechnung vom Tierarzt gefasst machen (Untersuchung, Abstrich, Kotprobe, Antibiotikum, Nachbehandlung etc.). Diese Gefahr lässt sich dadurch einschränken, lieber kleinere Futtertiere, dafür aber öfter, zu verfüttern. Ich selbst verfüttere nur Ratten, die in ihrer Grösse maximal der umfangreichsten Stelle der Schlange entsprechen.
Stress ist ebenfalls eine häufige Ursache für Erkrankungen aller Art. Er kann durch alles mögliche entstehen: durch das Händeln mit dem Tier, durch eine neue Vergesellschaftung mit einem anderen oder weiteren Tier, ein unruhiges Umfeld, Sondieren, Stopfen und so weiter...
Einfach erklärt heisst das: Stress schwächt das Tier bzw. dessen Immunsystem, wodurch eine wesentlich breitere Angriffsfläche für Erkrankungen aller Art entsteht.
Aus diesem Grund habe ich mir alle Tiere sorgsam ausgewählt. Keines durfte bei der Handhabung in Panik und Hektik verfallen. Aber ich lasse sie trotzdem weitestgehend in Ruhe und nehme sie allenfalls zum Füttern oder zum Reinigen des Terrariums heraus.
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